Eliezer Yudkowsky: Evolution – ein fremdartiger Gott

Aus dem Englischen von Tobias Wolf
Originaltext: http://lesswrong.com/lw/kr/an_alien_god/

„Ein faszinierender Aspekt der Evolutionstheorie ist“, so Jacques Monod, „ dass jeder denkt, er würde sie verstehen.“

Ein Mensch, der auf die Welt blickt, sieht stets einen Zweck in den Dingen. Die Beine eines Hasen, geschaffen, um zu rennen, die Zähne eines Fuchses, geschaffen um zu zerreißen. Doch was man sieht, entspricht nicht unbedingt dem, was ist…

In den Tagen vor Darwin war der Grund all dieser Zweckhaftigkeit in der Natur der Wissenschaft ein unlösbares Rätsel. Die Religiösen sagten „Gott hat es getan“, denn jedes Mal, wenn man das Wort „Gott“ in einem Satz benutzte, bekam man dafür 50 Bonuspunkte. Nun, vielleicht ist das nicht ganz fair. Vor Darwin erschien „Gott“ wie eine vernünftige Hypothese. Finde eine Uhr in der Wüste, sagte William Paley, und man kann daraus auf die Existenz eines Uhrmachers schließen.

Doch wenn man auf all diese scheinbare Zweckhaftigkeit in der Natur blickt und nicht nur nach Belieben Beispiele sucht, die die eigene Sicht der Dinge bestätigen, beginnt man zu bemerken, dass einige Dinge einfach nicht auf das jüdisch-christlichen Konzept des einen, allgütigen Gottes passen. Füchse scheinen dafür geschaffen, Hasen zu jagen. Hasen scheinen dafür geschaffen, vor Füchsen zu fliehen. War sich der Schöpfer nicht darüber im Klaren, was er eigentlich wollte?

Wenn ich einen Toaster entwickle, designe ich nicht ein Teil, welches Elektrizität in die Spule bringt und ein weiteres, das den Strom genau daran zu hindern versucht. Es wäre unnötige Mühe. Wer gestaltet ein Ökosystem mit seinen Jagd- und Beutetieren, Viren und Bakterien? Selbst die Kaktuspflanze, von welcher man vielleicht annehmen kann, dass sie auf das Bedürfnis von Wüstentieren zugeschnitten ist, Wasser zu finden, ist von Stacheln bedeckt.

Das Ökosystem würde deutlich mehr Sinn ergeben, wenn es nicht von einem göttlichen Wesen, sondern von einer Vielzahl von Göttern – also zum Beispiel jenen des Hindu- oder Shintoismus – erschaffen worden wäre. So könnte man elegant sowohl die allgegenwärtige Zweckhaftigkeit als auch die allgegenwärtigen Konflikte erklären: Mehr als eine Gottheit handelte, oft mit gänzlich anderen Zielen. Der Fuchs und der Hase sind zwar beide Teil einer Schöpfung, doch sind diese das Werk gänzlich unterschiedlicher Gottheiten. Ich frage mich, ob jemals irgendjemand diese auf diese vortrefflichen Belege gegen das Christentum und für den Hinduismus hingewiesen hat. Wahrscheinlich nicht.

Gleichsam sagt man dem jüdisch-christlichen Gott nach, dass er allgütig sei. Nun gut, auf eine recht spezielle Art und Weise: Denn ein Großteil der Zweckhaftigkeit in der Natur erscheint geradezu grausam. Darwin zog dementsprechend einen andersartigen Schöpfer in Betracht, nachdem er die Ichneumon-Wespen studierte, deren Stiche die Beute paralysieren, sodass sie dann bei lebendigen Leibe von ihren Larven gefressen werden kann: „Ich kann mich selbst nicht davon überzeugen“, schrieb Darwin, „dass ein gütiger und allmächtiger Gott bewusst die Ichneumonidae mit der konkreten Absicht erschaffen hat, dass sie sich von lebenden Raupenkörpern ernährt oder dass eine Katze mit Mäusen spielen sollte.“ Ich frage mich ob irgendein Denker jemals auf diesen exzellenten Beleg der Überlegenheit des Manichäismus gegenüber dem Monotheismus hingewiesen hat.

Aber inzwischen kennen wir alle die Pointe: Man sagt einfach „Evolution“.

Man kann befürchten, dass einige Leute auf diese Weise die „wissenschaftliche“ Erklärung als eine magische Zweckhaftigkeits-Fabrik der Natur deuten. Ich habe früher schon den Fall von Storm aus den X-Men-Filmen diskutiert, welche durch eine Mutation die Fähigkeit erhält, Blitze zu werfen. Warum? Nun, da gibt es dieses Ding namens „Evolution“, das irgendwie eine ganze Menge Sinn in die Natur pumpt und Veränderungen auf der Basis von „Mutationen“ passieren lässt. Wenn Storm also eine wirklich große Mutation bekommt, verändert sie sich so, dass sie Blitze werfen kann. Radioaktivität ist eine beliebte Quelle von Superkräften: Strahlung verursacht Mutationen, also sorgt starke Strahlung für starke Mutationen. Klingt logisch.

Doch Evolution erlaubt nicht einfach jeder Form von Zweckhaftigkeit, in die Natur zu sickern. Genau das ist der Grund, aus dem Evolution so eine erfolgreiche empirische Hypothese darstellt. Falls Evolutionsbiologie sowohl einen Toaster als auch einen Baum erklären könnte, wäre sie wertlos. Es ist viel mehr an der Evolutionstheorie, als auf die Natur zu zeigen und „Jetzt ist Zweck erlaubt!“ oder „Die Evolution war’s!“. Die Stärke einer Theorie besteht nicht in dem, was sie erlaubt, sondern in dem, was sie verbietet; wenn man eine gleichsam überzeugende Erklärung für jedes Ergebnis finden kann, besitzt man keinerlei Wissen.

„Viele Nicht-Biologen denken“, so beobachtete George Williams, „es wäre zum Nutzen einer Klapperschlange, dass eine Rassel an ihrem Schwanz wächst.“ BZZT! Diese Form von Zweckhaftigkeit ist nicht erlaubt. Evolution basiert nicht darauf, dass sie Blitze von Sinn zufällig in die Welt sendet, um so eine Spezies zu ihrem Nutzen zu verändern.

Evolution ist angetrieben von einer systematischen Korrelation zwischen den verschiedenen Genen, welche Organismen bilden und der Anzahl an Kopien, die diese Gene in die nächste Generation bringen können. Damit Klapperschlangen Rasseln wachsen lassen können, müssen Rassel-Gene von Generation zu Generation häufiger werden. (Eigentlich Gene für langsam komplexer werdende Rasseln, doch wenn wir einmal damit beginnen, all die Untiefen und Stolperdrähte der Evolutionsbiologie auszuführen, säßen wir morgen Früh noch hier.)

Da ist keine Evolutions-Fee, die sich den gegenwärtigen Stand der Natur ansieht und entscheidet, was eine „gute Idee“ wäre und auf dieser Basis entscheidet, die Häufigkeit von Rassel-Genen zu steigern.

Ich nehme an, dass das der Punkt ist, an dem viele Leute Schwierigkeiten mit dem Verständnis der Evolutionsbiologie bekommen. Sie verstehen, dass „hilfreiche“ Gene häufiger werden, doch „hilfreich“ impliziert einen Zweck.  Sie glauben zwar nicht an die Evolutions-Fee, doch fragen sie nichts desto trotz, welche Gene „hilfreich“ wären, ganz so als wäre ein Klapperschlangen-Gen in der Lage nicht-Klapperschlangen zu „helfen“.

Die entscheidende Feststellung liegt darin, dass es diese Fee eben nicht gibt. Da ist keine äußere Kraft, die entscheidet, welche Gene gefördert werden sollte. Was auch immer passiert, passiert durch die Gene selbst.

Gene für die Konstruktion von (stetig besseren) Rasseln müssen irgendwie häufiger im Klapperschlangen-Genpool geworden sein. In diesem Fall ist es wahrscheinlich, dass Klapperschlangen mit besseren Rasseln häufiger überlebten, im Gegensatz zu den Alternativ-Annahmen, dass sie sich erfolgreicher fortpflanzen konnten oder Geschwister hatten, welche sich erfolgreicher fortpflanzen konnten, etc.

Vielleicht mahnt die Rassel Jäger zur Vorsicht und lässt sie nicht auf die Schlange treten. Oder vielleicht zieht die Rassel Aufmerksamkeit vom Kopf der Schlange. Wie George Williams sagte: „Der Ausgang eines Kampfes zwischen einem Hund und einer Viper hängt sehr stark davon ab, ob der Hund das Reptil zuerst bei seinem Kopf oder seinem Schwanz packen würde.“

Doch das ist eben nur die Rassel einer Klapperschlange. Es gibt viel komplexere Wege, auf denen ein Gen dafür sorgen kann, dass seine Kopien in der nächsten Generation häufiger auftreten. Jemandes Geschwister teilen die Hälfte seiner Gene. Ein Gen, welches eine Einheit einer Ressource einsetzt, um drei Einheiten der Ressource in einem Bruder zu schützen, schafft es möglicherweise, mehr Kopien seiner selbst in die nächste Generation zu bringen, indem es einen seiner konstruierten Organismen opfert. (Wer mehr über die Details und Schwierigkeiten wissen möchte, sollte ein Buch über Evolutionsbiologie kaufen, es gibt hier keinen Königsweg.)

Der zentrale Punkt ist, dass der Effekt des Gens dazu führen muss, dass Kopien dieses Gens in Zukunft häufiger werden. Da ist nichts, was entscheidet, ob manche Gene „hilfreich“ sind und dementsprechend in größerer Zahl auftreten sollten. Es ist die schlichte Abfolge von Ursache und Wirkung, die sich aus den Genen selbst entwickelt.

Warum ist die Natur stets im Kriege mit sich selbst? Weil es nicht die Evolution gibt, die den ganzen Prozess steuert. Es gibt so viele verschiedene „Evolutionen“, wie es sich reproduzierende Populationen gibt. Die Häufigkeit von Hasen-Genen erhöht und vermindert sich in Hasenpopulationen, gleiches gilt für die Gene von Füchsen in Fuchs-Populationen. Fuchs-Gene, welche Füchse schaffen, die Hasen fangen, werden mehr Kopien ihrer selbst in die nächste Generation übertragen können. Hasen-Gene, welche Hasen erzeugen, die Füchsen besser davon laufen können, werden in zukünftigen Generationen häufiger vorkommen. Daher der Ausdruck „natürliche Auslese“.

Warum ist die Natur grausam? Wir, als Menschen, können uns die Ichneumon-Wespe ansehen und entscheiden, dass es grausam ist, seine Beute bei lebendigem Leib zu verspeisen. Wir können entscheiden, dass, falls man seine Beute schon lebend fressen muss, man wenigstens den Anstand besitzen könnte, ihr keine weiteren Schmerzen zuzufügen. Es würde die Wespe kaum mehr Energie kosten, ihre Beute sowohl zu paralysieren als auch zu betäuben. Oder was ist mit alten Elefanten, die verhungern, wenn ihnen die letzten Zähne ausgefallen sind? Diese Elefanten werden sich ohnehin nicht mehr fortpflanzen. Was würde es die Evolution – oder eher die Evolution der Elefanten – kosten, das Tier sofort sterben zu lassen, statt qualvoll und langsam? Was würde es die Evolution kosten, den Elefant zu betäuben oder ihm angenehme Träume zu geben, bevor er stirbt? Nichts, der Elefant würde sich nicht mehr oder weniger fortpflanzen, so oder so.

Wenn man mit einem Mitmenschen reden würde und es darum ginge, einen Interessenkonflikt zu beenden, wäre man in einer guten Verhandlungsposition. Es würde so wenig kosten, die Beute zu betäuben, den Elefanten ohne jene grausame Agonie sterben zu lassen? Oh bitte, wärst du so nett… äh…

Da ist niemand, mit dem man verhandeln kann.

Menschen täuschen ihre Rechtfertigungen vor, sie finden heraus, was sie wollen, indem sie eine Methode nutzen, mit einer anderen rechtfertigen sie ihr Verlangen dann. Es gibt keine Evolution-der-Elefanten-Fee, die a) versucht herauszufinden, was am besten für Elefanten ist und dann b) evaluiert, wie man es am ehesten vor dem Evolutions-Aufseher rechtfertigen kann, der c) die reproduktive Fitness nicht verringert sehen will und d) bereit ist, die Sache mit dem schmerzlosen Tod abzunicken, sofern es nicht irgendwelche Gene schädigt.

Da ist niemand in diesem System, der für den Elefanten spricht.

Menschen, die oft zutiefst in Sorge um das Wohlergehen von Tieren sind, könnten sehr überzeugend darin sein, zu erklären, wieso diverse Nettigkeiten die reproduktive Fitness nicht schmälern würden. Leider nutzt die Evolution der Elefanten einen anderen Algorithmus, sie selektiert nicht nette Gene, von denen man plausibel behaupten kann, dass sie der Reproduktiven Fitness nicht schaden. Das eigentliche Prinzip bleibt: Gene, die sich mehr replizieren, werden in der nächsten Generation häufiger vorkommen. Wie der Regen, der stets nur nach unten fällt und dabei vergleichbar gleichgültig.

Ein Mensch, der in die Natur blickt, beginnt sofort an all die Wege zu denken, auf denen wir Organismen designen würden. Und dann beginnen wir Gründe zu rationalisieren, warum unsere Verbesserungen die reproduktive Fitness erhöhen würden – ein politischer Instinkt, der versucht, die eigene bevorzugte Option bestmöglich mit den Werten des Chefs auf Linie zu bringen.

Und so sieht man Amateur-Evolutionsbiologen alle möglichen Arten von wunderbaren und vollkommen falschen Vorhersagen machen. Denn Amateurbiologen und Evolution nutzen gänzlich unterschiedliche Algorithmen, die ihr Handeln bestimmen.

Ein menschlicher Ingenieur hätte vielleicht Geschmacksnerven konstruiert, die in der Lage sind, exakt zu bestimmen, welche Menge eines Stoffes wir bereits zu uns genommen haben und wie viel wir noch bräuchten. Wenn Fett knapp wäre, würden Mandeln oder Cheeseburger hervorragend schmecken, doch wenn sich beginnendes Übergewicht oder ein Mangel an Vitaminen abzeichnete, würden wir Salat bevorzugen. Doch es gibt niemanden, der intelligent vorausplant und ein allgemeines System für alle Gelegenheiten gestaltet. Es war ein gegebener Fakt der Umwelt unserer Vorfahren, dass Kalorien knapp waren. Gene, deren Organismen Kalorien liebten, wurden häufiger. Der Regen fällt nach unten.

Wir sind nicht mehr und nicht weniger als das körperliche Zeugnis davon, welche Organismen überlebten und sich fortpflanzen konnten und nicht, welche Organismen überleben sollten.

Die menschliche Retina ist verkehrt herum konstruiert: Die lichtempfindlichen Zellen sind hinten und die Nerven kommen von vorne und gehen durch die Retina ins Hirn. Daher der blinde Fleck. Für einen menschlichen Ingenieur sieht das schlichtweg dämlich aus. Und andere Organismen haben von sich aus Retinas ohne diesen Fehler entwickelt, also warum nicht die menschliche Retina redesignen?

Das Problem ist, dass es nicht eine einzige Mutation gibt, die die komplette Struktur der Retina verändern kann. Ein menschlicher Ingenieur kann mehrere Teile eines Systems simultan verändern oder für zukünftige Veränderungen vorausplanen. Doch falls eine einzelne Mutation einen lebenswichtigen Bestandteil eines Organismus zerstören kann, ist es irrelevant, welche wundervollen Dinge eine Fee auf der Grundlage dieser Mutation bauen könnte – der Organismus verendet und die Häufigkeit der Gene nimmt ab.

Wenn man die Position der Retina-Zellen verändert, ohne dabei die Nerven und die optischen Verbindungen neu zu programmieren, würde das ganze System nicht mehr funktionieren. Es ist egal, dass dies aus der Perspektive eines menschlichen Ingenieurs ein Schritt voran auf dem Weg zu einer kompletten Überarbeitung der Retina wäre. Der Organismus ist blind. Evolution hat keine Voraussicht, sie ist schlicht die gefrorene Erzählung, welche Organismen sich fortpflanzen konnten. Evolution ist so blind wie eine nur halb überarbeitete Retina.

Finde eine Uhr in der Wüste, so William Paley, und du kannst die Existenz eines Uhrmachers annehmen. Es gab einst jene, die dies leugneten, jene die dachten, dass Leben „einfach so passiert“, ohne, dass es irgendeinen Optimierungsprozess geben müsste, dass Mäuse spontan aus Stroh und Dreck erzeugt würden.

Wenn wir fragen, wer näher an der Wahrheit war – die Theologen, die für einen Schöpfergott argumentierten, oder die intellektuell unbefriedigten Atheisten, die für das spontane Entstehen von Mäusen argumentierten, dann müssen die Theologen wohl als Sieger betrachtet werden: Evolution ist nicht Gott, aber sie ist näher an Gott als reine, zufällige Entropie. Mutation ist zufällig, Selektion hingegen nicht. Das soll nicht heißen, dass es eine intelligente Fee gibt, die eingreift und selektiert. Es bedeutet, dass es eine statistische Korrelation ungleich null zwischen den Genen und der Reproduktionshäufigkeit eines Organismus gibt. Über einige Millionen Jahre entwickelt sich diese Korrelation zu etwas sehr Mächtigem. Kein Gott, aber näher an einem Gott als das Bildrauschen auf einem Fernsehbildschirm.

Auf vielfältige Weise ähnelt Evolution der Theologie. „Götter sind ontologisch von Kreaturen zu unterscheiden“, sagte Damien Broderick, „oder sie sind das Papier nicht wert, auf dem sie erdacht wurden.“ Und in der Tat, der Former des Lebens selbst ist nicht lebendig. Evolution ist körperlos, wie die jüdisch-christliche Gottheit. Omnipräsent in der Natur, immanent im Fall jedes Blattes. So vielgestaltig wie die Oberfläche der Erde. Milliarden Jahre alt. Nicht erschaffen, natürlich aus den Strukturen der Wirklichkeit hervorgegangen. Klingt das das nicht ziemlich wie etwas, was man über Gott sagen würde?

Und doch, der Schöpfer hat kein Bewusstsein. In mancher Hinsicht ist sein Werk, gemessen an menschlichen Maßstäben, armselig. Er ist in sich selbst zerstritten. Und am wichtigsten von allem: Er ist nicht nett.

In einer gewissen Weise entdeckte Darwin Gott. Einen Gott, der daran scheiterte, den Vorstellungen der Theologen zu genügen und dergestalt ohne Würdigung bleiben musste. Wenn Darwin herausgefunden hätte, dass das Leben von einer intelligenten Macht geschaffen worden war – ein körperloses Bewusstsein, welches uns liebt und das uns mit Blitzen bewirft, wenn wir nicht in seinem Sinne handeln – wie hätten die Leute wohl reagiert? „Meine Güte! Das ist Gott!“

Doch stattdessen entdeckte Darwin einen seltsamen, fremdartigen Gott, nicht wirklich unaussprechlich und unverständlich, doch genuin anders als wir. Evolution ist kein Gott, doch wenn sie es wäre, wäre sie nicht Jehovah. Sie wäre H.P. Lovecrafts Azatoth, das blinde,  idiotische Chaos im Zentrum aller Dinge, umgeben vom dünnen Klang monotonen Flötenspiels.

Was man vielleicht hätte vorhersagen können, wenn man wirklich einmal in die Natur geblickt hätte.

So viel zu den Behauptungen einiger der Religiösen, dass sie an eine nicht klare definierte Gottheit mit demzufolge hoher Wahrscheinlichkeit glauben. Jeder, der wirklich an eine nur vage definierte Gottheit glaubte, hätte den seltsam unmenschlichen Schöpfer erkannt, als Darwin „Aha!“ sagte.

So viel zu den Behauptungen einiger der Religiösen, dass sie unschuldig auf den Moment warten, in dem die Wissenschaft Gott entdeckt. Die Wissenschaft hat den irgendwie-gottgleichen Schöpfer der Menschheit bereits entdeckt – doch er war nicht das, was die Religiösen hören wollten. Sie warteten auf die Entdeckung ihres Gottes, des hochspeziellen Gottes, dessen Existenz sie herbeisehnten. Sie werden in Ewigkeit warten, denn die große Entdeckung wurde bereits gemacht und der Gewinner ist Azatoth.

Nun gut, also mehr Macht für uns Menschen. Ich mag es, einen Schöpfer zu haben, der dümmer ist als ich.

Definitiv besser, als ein Haustier zu sein.

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