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Michael Schilling aka Michael N. Tropie *1990
HU: Physik B.Sc.
shbh gbs Mitglieder Michael Schilling
(c) Evelin Frerk

Seit je her träumen wir Menschen von einem Paradies, von einer besseren Welt. In unserer Hilflosigkeit haben wir uns Götter erschaffen, zu denen wir hoch schauten, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Mit der wissenschaftlichen Methode sollte sich all dies ändern, die einst „unveränderliche Ordnung“ der Dinge erscheint uns heute ganz anders. Wir haben unser Schicksal selbst in die Hand genommen. Trotz all unserer Unzulänglichkeiten ist es uns immer wieder gelungen, uns weiter zu entwickeln, scheinbar ausweglose Situationen zu überwinden, unveränderliche Dinge zu verändern und sind diesem Traum eines Paradies dabei schon viel näher gekommen. So wie eine romantische Beziehung braucht auch eine gesellschaftliche Beziehung ein starkes Vertrauen. Deshalb wünsche ich mir eine humanistische Gesellschaft, in der wir auf die Menschheit vertrauen, zur Erlösung der Menschheit.

Aber warum sollte diese Gesellschaft säkular gestaltet werden? Damit sich in einem solchen Paradies jeder möglichst frei entfalten kann, können wir für die Regeln, auf die wir uns einigen, nur einen Rough Konsens benutzen. Ein solcher Rough Konsens ist das, worauf wir uns alle einigen können. Das sind zum einen unsere gemeinsamen moralischen Vorstellungen, als auch das Faktenwissen, das wir mit Experimenten schaffen. Nur dieser Konsens sollte als Grundlage unserer Politik dienen. Das ist es, was ich mir unter einer säkularen Gesellschaft vorstelle.


Laura Wartschinski *1994
HU: Informatik M.Sc.

shbh gbs Mitglieder Laura WartschinskiAuch wenn mein Studium meist recht zeitaufwendig ist, ist das Engagement in der Hochschulgruppe für Säkularen Humanismus eine Sache, die sich absolut lohnt. Von der Gründung der SHBH im Februar 2015 an hat es mir sehr viel Spaß gemacht, dabei zu sein, und ich habe bisher nur ein einziges Treffen verpassen müssen. Für mich sind die Gründe, sich für Humanismus und Säkularität einzusetzen, klar.

Ich wuchs in einer leicht christlichen Umgebung auf, machte mir jedoch lange Zeit kaum Gedanken um Religion. Die einzigen Götter, die mein Interesse wecken konnten, stammten aus einem der zahlreichen Fantasy-Universen, in die ich damals eintauchte. Obwohl ich eigentlich nicht an „Gott“ glaubte, wurde ich konfirmiert, und wehrte mich auch nicht dagegen. Als mir jedoch mit etwa 15 Jahren auf einer Klassenfahrt nach England Dawkins‘ Gotteswahn in die Hände fiel, änderte sich meine Perspektive auf Religion schlagartig.
Während meine Mitschüler Wachsfiguren fotografierten, saß ich in einem Park und machte mir erstmal Gedanken darüber, welche Rolle der Glaube im menschlichen Denken und in der Gesellschaft spielt. Mir wurde klar, dass Irrationalität nicht nur ein Thema ist, über das ich vollkommen fruchtlose Streits mit meiner Religionslehrerin anfing, sondern ein Problem, dass die gesamte Menschheit betrifft. Menschen leiden, Menschen fügen anderen Menschen Leid zu, und Menschen treffen für Nichtgläubige wahnwitzige Entscheidungen aufgrund von Religion. Ich finde es unfassbar, dass gottesfürchtige Vorstellungen aus jahrhundertealten Überlieferungen auch heute noch in vielen Fällen unser Leben prägen und als Grundlage für Diskriminierung, Fehlentscheidungen und simple Borniertheit dienen.
Etwa zur gleichen Zeit verschlang ich auch das „Manifest des Evolutionären Humanismus“. Die Perspektive, die darin vermittelt wurde, lieferte einen wichtigen Baustein zu meinem Blick auf die Welt.

Ich kam also zu der Überzeugung, dass eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Realität und eine auf den Menschen ausgerichtete, zeitgemäße, ‚gottlose‘ Ethik dringend notwendig sind, damit die Menschheit eine sinnvolle Zukunft haben kann. Und genau damit beschäftigen wir uns in der Hochschulgruppe für Säkularen Humanismus. Unsere Themen sind breit gestreut – von Erkenntnistheorie über Genetik bis hin zur Verfolgung säkularer Blogger in Bangladesch. Wir organisieren Vorträge, Podiumsdiskussionen, Meetups und andere Veranstaltungen, und man kann sich sehr gut einbringen, um etwas zu bewirken. Außerdem bietet die Hochschulgruppe ein tolles Umfeld, um interessante Menschen kennen zu lernen, Gedanken auszutauschen und neue Perspektiven zu gewinnen. Ich kann nur empfehlen, bei uns vorbei zu schauen.


Tobias Wolf *1994
HU: Statistik M.Sc.

shbh-gbs Tobias WolfIch komme aus einer nicht sonderlich religiösen Familie. Trotzdem wurde ich mit 12 Christ. Die großen philosophischen Fragen hatten mich schon immer fasziniert und auch wenn die Antworten der Religion nicht unbedingt befriedigend waren, so banden sie mich auf andere Weise: Angst und Allgültigkeit. Das Wort Gottes war absolut und dem Ketzer drohte schließlich das Höllenfeuer. – Wie konnte ich mir da auch nur die leisesten Zweifel (und die waren immer da) leisten?
Mein Weltbild schloss sich mehr und mehr und schottete sich gegen Kritik von außen ab. Zum Glück dauerte diese Phase von Zweifel, Angst und Schuld nicht länger als ein Jahr. Wer weiß, wo ich heute stehen würde, wenn ich nicht durch einen glücklichen Zufall auf das „Manifest des Evolutionären Humanismus“ gestoßen wäre?

Ich las das Buch und mit einem Mal sah ich das Konzept der Religion in all seiner Lächerlichkeit bloßgestellt. Es war, als hätte man mich aus der Matrix ausgeklinkt. Die Naivitäten und Widersprüche – sie sind alle klar erkennbar und trotzdem glauben Milliarden Menschen weltweit an jahrtausendealte Mythen und Geschichten, sie morden und bekriegen sich gar in ihrem Namen.

Echtes Wissen zu erlangen ist schwer. Die Welt ist widersprüchlich und kompliziert und die Wirklichkeit nicht unbedingt so, wie wir es uns wünschen würden. Einem festgefügten und absoluten Narrativ (am besten noch mit Happy End) zu glauben, ist da viel bequemer. Letztlich gilt dies nicht nur für Religionen, sondern auch für politische Ideologien. All diese geschlossenen Weltbilder helfen uns jedoch nicht weiter, wenn wir die großen Herausforderungen unserer Zeit meistern wollen.

Als Student der Sozialwissenschaften sind es genau diese Herausforderungen, die mich faszinieren: Wie kann Gesellschaft und Wirtschaft im 21. Jahrhundert sinnvoll organisiert werden? Wie kann man geschlossene Weltbilder bekämpfen? Was kann man tun, um die globale Armut zu beenden? Wie wird der technologische Fortschritt die Welt in den nächsten Jahrzehnten verändern? Antworten hierauf finden wir nur durch eine kritisch-rationale Analyse auf der Grundlage aller zur Verfügung stehenden Informationen; auf der Basis eines klaren ethischen Wertefundaments, was die Zusammenführung von Wissen verschiedenster Disziplinen (Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Statistik, Informatik, Mathematik, Psychologie, Biologie, etc.) notwendig macht.

Die Säkularen Humanisten versammeln eine wunderbare Vielzahl von klugen und offenen Köpfen der verschiedensten Fachbereiche, welche sich über die unterschiedlichsten Themen austauschen und den Berliner Diskurs durch Vorträge oder andere Aktionen beeinflussen. Ich freue mich, dabei zu sein.